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Mit  Unterstützung von

 

Gerd Gruhn

 

Fotografie

 

Hochzeit, Event, Studio und mehr

Unser besonderer Dank gilt unserem kompetenten Reisebüro PlanReisen, der uns als Spezialist für Indienreisen seit über 10 Jahren bestens betreut.

Endspurt

Unsere nächste Reise ging nach Varanasi, um weitere Szenen für unseren Film zu drehen. Dort

 lebten wir bei Badi Maa, wo wir sehr herzlich empfangen und gut versorgt wurden. Unsere Pläne gingen natürlich, wie immer, nicht ganz auf, da es uns an manchen Orten nicht erlaubt war, zu drehen. Dafür entstanden schöne Aufnahmen mit den Pujaris auf und im Ganges.

An einem Abend waren wir gemeinsam mit einer Gruppe von Musikern auf Badi Maas Schiff eingeladen. Wir beobachteten zuerst vom Fluss aus die große Aarti (Abendgebet am Ganges mit Feuer) am Ufer und anschließend wurde gemeinsam gesungen und getanzt. Es war eine sehr harmonische und schöne Stimmung mit dieser Gruppe unterm Sternenhimmel, auf dem heiligen Fluss mit Blick auf die erleuchtete Stadt.

Am nächsten Tag trafen wir einen Teil der Musiker Gruppe wieder zu einer gemeinsamen Akro-Yoga-Stunde am Gangesufer. Am Anfang hatten wir ein bisschen Angst und natürlich hatten wir auch ein großes Publikum. Dies senkte die Nervosität für uns Anfänger nicht gerade, aber es war sehr schön zu erleben, wie nach etwas Übung und wenn man sich ganz auf den Partner einlässt, sich vollkommen auf ihn konzentriert und dadurch eine gemeinsame Balance findet, man doch manche Kunststücke hinbekommt, von welchen man am Anfang dachte, das schafft man nie.

 

 

Insgesamt hatten wir eine sehr schöne Zeit in Varanasi. Diese Stadt hat eine ganz besondere Stimmung, die ich sehr genossen habe.

 

Wieder zurück in Bodhgaya war nun die große Herausforderung aus all den verschiedenen Aufnahmen den Film zusammenzuschneiden. Diese Aufgabe übernahmen in erster Linie Sarah und Abhi. Sie verbrachten viele Stunden, oft bis spät in die Nacht in unserem kleinen Office und versuchten die vielen Einzelteile zu einem runden Ganzen zusammenzusetzen. Das war gar nicht so einfach, da viele Aufnahmen nicht verwendet werden konnten, da entweder das Bild verwackelt oder unscharf war, der Ton schlecht war oder verschiedene Aufnahmen einer Szenen einfach nicht zusammen passten, da beim Improvisationstheater eben nie alles genau gleich abläuft. Manche Szenen mussten also erneut gefilmt, oder einzelne Dialoge extra aufgenommen werden. Das war alles etwas stressig, da die Zeit, wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, langsam wirklich knapp wurde. Außerdem musste sich nun die Gruppe auch für die Aufführungen der Show vorbereiten.

 

Ein großes Highlight war für uns alle das Holi Fest, das wir in unserer letzten Woche in Bodhgaya feierten. Unsere erste Erfahrung machten wir in der Mummy Jee School. Das war noch sehr sanft, mit nur dezenten Mengen an Farbpulver. Es waren viele Leute, hauptsächlich Kinder, anwesend, auf einer Bühne wurde ein kleines Programm vorgeführt, eine Gruppe von Mönchen trug ein Gebet bezüglich des Corona-Virus vor und am Ende tanzten wir alle gemeinsam mit den Kindern. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

 

Am Haupt-Holi-Tag traf es uns etwas härter. Morgens wurden wir von den Kids geweckt, die schon auf eine Farbschlacht warteten. Wir waren aber alle ziemlich müde und mussten erst einmal etwas Energie für den Tag sammeln. Als wir dann schließlich loslegten, eskalierte es ziemlich schnell und auch Shantis Familie mischte sich ein. Neben dem gewöhnlichen Farbpulver wurden weitere Geschütze aufgefahren, wie Eimer voller Wasser, Matsch, eine Art Teig und Wasserfarbe, die uns noch Tage nach Holi begleitete. Unser Garten war ein einziges Schlachtfeld. Klitschnass und voller Farbe zogen wir dann gemeinsam los und besuchten alle Kids zuhause. Wir bekamen viel gutes Essen und natürlich immer noch mehr Farbe. Einige der Kids sagten, es sei das beste Holi, das sie je erlebt haben. Für mich war es ein sehr schöner aber auch sehr anstrengender Tag und am Abend war es harte Arbeit, die ganze Farbe wieder vom Körper zu bekommen. Ehrlich gesagt, war das auch nicht so richtig erfolgreich, erst nach einigen Tagen und weiteren Duschen war irgendwann endlich alle Farbe, auch aus den Haaren, verschwunden.

 

Dann war plötzlich auch schon der erste Termin für unsere Show im Center von Creacting India in Bodhgaya. Beginn der Show war um 11 Uhr geplant, um 11:15 Uhr war der Saal immer noch leer. Eigentlich war eine ganze Schule eingeladen, aber die Schulen waren wegen Holi geschlossen. Nach weiteren 15 Minuten kamen dann schließlich doch noch ein paar Kinder. Das Publikum war zwar klein, aber sehr begeistert. Am Abend kamen schon deutlich mehr Zuschauer, viele jedoch auch erst 45 Minuten zu spät. Aber das ist eben Indien. Die zweite Show lief sehr gut, es war eine tolle und starke Energie sowohl bei den Spielern als auch im Publikum und ein guter Kontakt zwischen beiden. Es war sehr schön zu sehen, wie viel Spaß vor allem die Kinder hatten, sie lachten viel und verfolgten das ganze Stück sehr aufmerksam, auch wenn viele von ihnen gar kein Englisch konnten. Aber auch die Erwachsenen waren begeistert und auch wenn leider nur wenige der Eltern der Spiele kamen, war es schön zu sehen wie stolz diese auf ihre Kinder waren und was für ein positives Gefühl das wiederum bei den Kindern auslöste.

 

Am nächsten Tag hatten wir morgens noch einmal eine Aufführung und danach war es dann für uns an der Zeit unsere Sachen zu packen. Nachts um 1:30 Uhr machten wir uns dann mit der gesamten Gruppe unter strömendem Regen in Rikshas auf nach Gaya. Natürlich waren wir alle sehr traurig Bodhgaya nun nach zweieinhalb Monaten verlassen zu müssen, aber das Gute war, dass es für uns ja nicht gleich nachhause ging sondern das dies der Beginn eines neuen Abenteuers gemeinsam mit der Gruppe war. Von Gaya ging es dann mit dem Zug nach Delhi. Für mich war die ca. 20 stündige Zugfahrt nicht sehr angenehm, da ich krank war und mich mehrmals übergeben musste. Nur eine kurze Zeit, in der ich während der Fahrt an der offenen Zugtüre saß, genoss ich sehr. Das war für mich ein etwas abenteuerliches und sehr schönes Erlebnis.

 

In Delhi übernachteten wir in einem Hotel und am nächsten Tag ging es dann mit dem Flugzeug nach Bhopal. Die meisten der Kids saßen zum ersten mal in ihrem Leben in einem Flugzeug und es war sehr aufregend für sie.

 

In Bhopal wohnen wir jetzt in Muskaan, einem Waisenhaus, das von Shivani, einer Frau, die von hier kommt, aufgebaut wurde. Im Alter von 24 Jahren ließ sie das typische traditionelle Leben einer indischen Frau hinter sich, entschied sich gegen eine Heirat und startete ihr Projekt, sich um die Menschen in den Slums hier zu kümmern. Mit diesem Waisenhaus, das gleichzeitig auch eine Schule ist, hat sie wirklich etwas großes aufgebaut und ich bewundere sie sehr. In diesem Haus leben Mädchen und Jungs verschiedener Stämme, die gesellschaftlich zum Teil sehr stark benachteiligt sind, bis zu dem Punkt, wo allein der Name des Ursprungsstamms ein Synonym für Kriminalität ist. Muskaan gibt den Kindern eine Chance, diesem sozialen Gefängnis zu entkommen. Hier wird gut für sie gesorgt, sie haben Zugang zu Bildung und auch Möglichkeiten, sich kreativ zu entfalten, was ich sehr wichtig und sehr schön finde. Es ist schön zu sehen, wie hier alle in friedlichem Einklang miteinander leben. Es wirkt auf mich alles sehr harmonisch. Das Gebäude, gebaut aus Lehm und Bambus, ist auch wunderschön mit einem schönen Garten und man kann hier, was für Indien wirklich ungewöhnlich ist, tatsächlich ein ruhiges Plätzchen finden. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und ich fühle mich wirklich wohl hier. (weitere Infos zu Muskaan unter www.muskaan.org)

 

Unser Projekt hier in Bhopal besteht darin, Workshops in den Slums zu machen und dort auch die Show zu zeigen. Beim ersten Workshop war ich leider nicht dabei, da ich noch etwas krank war, aber am Abend kam ich mit zur Show. Als wir ankamen, wurde unser Bus von einer riesigen Menschenmenge umringt und wir saßen eine ganze Weile einfach fest, da wir auf die Anderen warten mussten. Diese Zeit war für mich sehr anstrengend und ich fühlte mich nicht sehr wohl. Einerseits ist es immer schön, wenn sich die Kinder so riesig einfach nur über ein Hallo oder einen Handschlag freuen, andererseits ist es sehr seltsam und unangenehm so angestarrt und umringt zu werden, als sei man etwas ganz Außergewöhnliches oder Besonderes. Auch zu sehen unter welchen Verhältnissen die Menschen dort leben und wie sie zum Teil miteinander umgehen, war echt hart. Die Show allerdings war sehr gut. Natürlich war das Publikum unruhig und zwischendurch wirklich sehr laut, aber ich hatte es eigentlich schlimmer erwartet. Die Kinder haben viel gelacht und hatten ihren Spaß. Es war schön, diese Freude mit den Menschen hier zu teilen.

 

Der nächste Workshop wurde abgesagt, da Christian und Frieder aufgrund der Corona-Krise frühzeitig nach Delhi abreisen mussten. Also verabschiedeten wir die beiden, alle waren natürlich sehr traurig, dass sie so plötzlich gehen mussten. Trotzdem spielten wir am Abend wie geplant unsere Show. An diesem Ort fühlte ich mich deutlich wohler als am Tag zuvor, hier waren viele Kinder und Frauen, die sehr nett und herzlich waren. Das Publikum war auch ruhiger und konzentrierter.

 

Obwohl diese Menschen den Sinn und genauen Inhalt des Stückes nicht immer verstehen, ist dies für sie ein Einblick in eine unbekannte Kunst, die sie zum Lachen oder Weinen bringt. Unsere indische Gruppe gibt ihnen ein künstlerisches Geschenk ohne irgendwelche Erwartungen. Wenn bei den Menschen im Endeffekt nur ein kurzes Entfliehen aus dem normalen Alltag entsteht und ein Lächeln auf den Lippen bleibt, hat sich das gesamte Projekt gelohnt.

 

 

In den letzten Tagen hat sich die ganze Corona-Krise wie ein Schatten über alles gelegt. Wir durchleben ein Gefühls-auf und -ab. Jeden Tag erreichen uns neue Nachrichten bezüglich unserer Reisemöglichkeiten und der Situation in Deutschland. Wir müssen momentan jederzeit damit rechnen, dass wir unverzüglich nach Delhi aufbrechen müssen, um dort einen der letzten Flüge zu bekommen. Die Vorstellung die Gruppe plötzlich vorzeitig verlassen zu müssen ist sehr hart für uns und die Ungewissheit und ständige Umplanung macht uns wirklich zu schaffen. Wir versuchen uns nun nur voll auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und jeden Moment zu genießen.

 

Madita