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Unser besonderer Dank gilt unserem kompetenten Reisebüro PlanReisen, der uns als Spezialist für Indienreisen seit über 10 Jahren bestens betreut.

Plötzlich im Zauber Indiens - von Luzie

Ich sitze im Hari Om Cafe, ein Restaurant nur ein paar hundert Meter vom Rajni house entfernt, das indische und internationale Leckereien anbietet und für uns wie eine Art Wohnzimmer geworden ist, denn hier trifft man eigentlich fast immer Jemand von unserer Gruppe. Hier werden bei einem Chai Tee fleißig Workshops geplant, nach passender Musik gesucht, die täglichen Abendrunden gehalten oder Blogeinträge entstehen wie dieser hier.

Seit einer Woche bin ich in Indien und Deutschland erscheint mir schon sehr weit weg, auch wenn es mich am Anfang gar nicht hat gehen lassen wollen. Die verspätete Abreise durch den Indien – Pakistan Konflikt bescherte mir eine Nacht in einem Hotel in Frankfurt und Eine in Delhi und umso größer war die Freude als ich von Frieder, Christian und Abhi mit Blumenketten und strahlendem Lächeln, in dem kleinen Flughafen von Gaya, herzlich willkommen geheißen wurde.

Als wir mit einer Rikschar durch die staubigen Straßen fahren, meine Augen kleine Straßenstände, frei herumlaufenden Kühe, jede Menge Plastik, Frauen in bunten Saris sehen, meine Ohren das ständige wett Hupen hören und die Vielfalt der indischen Gerüche meine Nase erreichen, überkommt mich ein Gefühl von Vertrautheit und es ist, wie wenn ein Teil von mir nach Hause kommt.

Schon öfter war ich in Asien mit dem Rucksack unterwegs, in Indien allerdings bisher nur im Süden und so freue ich mich nun eine andere Gegend Indiens entdecken zu dürfen und vor allem ein Teil von CreActing zu sein. Über die letzten Jahre hat CreActing sich hier in Bodhgaya und Umgebung ein ganzes Netzwerk aufgebaut, das einem immer wieder zu Gute kommt, bei allerhand Besorgungen die anstehen, Workshops die Dank Kontakten in Schulen angeboten werden können und anderen Organisationsaufgaben.

So kommt es das wir an meinem dritten Tag in Bodhgaya an einem Sonntag zu einem Waisenhaus fahren, das wie Frieder schon beschrieben hat, von einer Französin, die hier als Mummy Jee bekannt ist, aufgebaut wurde und 90 Kinder beherbergt. Nisha und Laxmann, talentierte SpielerInnen und KursleiterInnen von CreActing India geben hier einmal die Woche einen Theaterworkshop, an dem viele Kinder freudig mitmachen. Ich bin erstaunt über die derartige Energie und Spielfreude, die die sonst eher zurückhaltenden Kinder nun im Spiel an den Tag legen. Auch ich als Gast werde ohne Berührungsängste bei einer Körpermassage von einem zierlichen Mädchen durchgeknetet und auf Nachfrage zeigen sie mir ihre Schlafzimmer. Je 14 Mädchen schlafen unter einfachsten Umständen auf Holzbritschen in einem kleinen Raum, die Sanitärenanlage hat bestimmt auch schon bessere Tage erlebt und beim weiteren zuschauen beim Workshop bin ich ein wenig nachdenklich. Wieder einmal wird mir bewusst in was für einem Überfluss wir in Deutschland leben und dennoch oftmals unzufrieden sind. Hier, davon abhängig in welcher Kaste sie geboren werden, haben die Meisten kaum besitz und dennoch strahlen Einige eine Grundzufriedenheit aus, die mir zu Hause oftmals fehlt. Dass das Kastensystem , auch wenn es dies auf dem Papier offiziell nicht mehr gibt, noch stark präsent ist, merkt man auch in Alltagssituationen, bei dem bei Anträgen etc. die Unterlegenheit gegenüber einem Brahmanen oftmals zu Schwierigkeiten führt.

 

Im Theaterspiel fallen alle Aspekte, angefangen von Schichtzugehörigkeit, finanzielle Möglichkeiten über fixierte Geschlechterrollen bis hin zu Kulturunterschiede weg. Es entsteht Raum in dem man sich neu erfinden, in andere Rollen schlüpfen, seiner Fantasie und seinen Träumen freien Lauf lassen kann. Somit ist es ein wunderbares Ausdrucksmedium, das für mich, während ich hier so die Kinder beim Spielen beobachte, noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommt - weg von Theater als reines Entertainment.

 

Am nächsten Tag wache ich in meinem rosa gestrichenen Zimmer auf und erinnere mich, dass heute ein besonderer Feiertag für die Hindus ist: Maha Shivaratri. Zunächst einmal gehe ich jedoch, in Begleitung von Christian, das erste Mal in den Mahabodhi Tempel. Ich bin erstaunt, dass es hier nicht nur den buddhistische Tempel mit dem Bodhi Baum gibt, sondern auch Gebetsorte anderer Religionen einen Platz in der großen Tempelanlage haben. Wie viele Mönche und andere Pilger aus aller Welt setzen wir uns unter den Bodhi Baum, unter dem Siddhartha Gautama Buddha seine Erleuchtung erhalten haben soll. Es tut gut den lebhaften Straßen mal den Rücken zu zu kehren und einfach die Stille und die friedliche Atmosphäre, die dieser Platz ausstrahlt, aufzunehmen. Auf dem Weg aus der Tempelanlage begegnen uns immer wieder Bettler und auch vor dem Tempel sieht man so manches Leid. Sie zu würdigen und dennoch die Bettelindustrie, die sich in in Indien entwickelt hat, nicht zu unterstützen ist ein Dilemma, da,; wie ich meine, jeder Selbst einzuschätzen hat und einen Weg finden muss damit umzugehen, ohne die Augen ganz davor Verschließen zu wollen, denn Armut so wie Reichtum gehört nun mal zu Indien - das Land der Gegensätze.

Nach einem Chai auf dem Marktplatz und dem Beobachten des Treibens, das heute eine besondere Augenweide ist, da unzählige hübsche Frauen in schillernden Saris sich mit Armreifen und Bindis ausstatten, bevor sie zu ihrer Puja Zeremonie in einen Hindutempel gehen, möchte auch ich als frau, einen Teil der Kultur erleben. Auf meine bitte nimmt Ramu von CreActing India mich mit in einen Hindutempel und eine bekannte von ihm weiht mich in das praktizieren einer Puja ein.

Zuerst denke ich: „nun ja, das wird etwa zehn Minuten gehen“. Dass ich jedoch fast zwei Stunden lang im Uhrzeigersinn von einem Götter Shrine zum Anderen wandere und Jedes Mal die gleiche Opferungs- und Gebetsreihenfolge mache, hatte ich nicht erwartet. Zuerst wird die Götterfigur mit Wasser beträufelt, dann verteilt man orangenes Pulver auf den Figuren oder Steinen und verpasst sich Selbst eine Tikka, einen Punkt auf dem dritten Auge und verheiratete Frauen noch auf dem Haaransatz. Des weiteren werden Blumen und Gemüse geopfert, Räucherstäbchen angezündet, Ghee in kleinen Nussschale gefüllt und mit dem Feuer in Gebetshaltung sein Wunsch gemurmelt. Als Higlight zerschlage ich noch eine Kokusnuss und überschütte alles mit dem Kokoswasser. Die Frauen fasten an Maha Shivaratri und bitten bei Shiva mit Durchwachen, Beten und Durchtanzen der Nacht um Segen für ihre Ehemänner. Nun ja, ich bin mal gespannt, nach 2 stunden Puja hoffe ich jetzt natürlich auf einen tollen zukünftigen Ehemann!

 

Die nächsten Tage verbringen wir nach wie vor mit Organisationsaufgaben. Wir sind sehr froh, nun eigene Räumlichkeiten zu haben, die wir nach und nach durch Anschaffungen in einen richtigen Theatersaal verwandeln möchten. Also wird eine Klimaanlage eingebaut und Vorhänge werden von Vinods Schwester genäht, um den Saal auch bei den Sommertemperaturen von 45grad nutzen zu können. Alle sind mit unterschiedlichen Aufgaben beschäftigt. . Ina sortiert Kostüme und sucht passende Musik für die Workshops heraus. Tagsüber fährt Wolfgang mit Vinod unermütlich nach Gaya, um Besorgungen wie einen Kühlschrank, Holz für die Bühne, Stühle und Drahtsysteme für die Vorhänge zu kaufen. Die Nächte verbringen Wolfgang, Christian, zusammen mit Frieder am Ausarbeiten von Workshopkonzepten und schreiben Anleitungen für Gruppenleitunge. Unsere Kursreihe, die nun beginnen soll, ist nämlich nicht nur Spieltraining für Alle, sondern auch als Supervision für die indischen Gruppenleiter gedacht. Somit sollen die Kurse auch Schwerpunkte wie konstruktives Feedback geben, sinnvolles Filmen und Therorieeinheiten über die ACT-Methode, beeinhalten.

 

Am Mittwoch am 6.3.19 um vier Uhr Nachmittag passiert es endlich: unserer erster Theaterworkshop kann beginnen. Nachdem alle ausgewählten 13 Spieler eine Abmachung unterschrieben haben, welche Punkte wie Pünktlichkeit, Anwesenheitspflicht, Verantwortungsübernahme und ein Handyverbot während des Trainings beeinhaltet, kann es los gehen. Wie immer starten wir mit einem warm up: Indiaka, Körperwahrnehmungen, sich in verschiedene Emotionen hineinversetzen zu passender Musik (wütend, traurig, ängstlich, glücklich) bilden den Anfang, dann kommen alle ins Spielen durch Gruppenaufgaben, die reine Improvisation erfordert. Aus dem Nichts entstehen kleine Szenen, die Kinder und Jugendlichen lassen Fantasiefiguren entstehen und gehen mehr und mehr im Spiel auf. Vor allem in der Feedbackrunde wird die dargelegte Diziplin und das Engagement der Gruppe gelobt, das nun, durch den geschützten Rahmen eines geschlossenen privaten Raumes, besonders gut möglich ist.

Ein Raum für Begegnung, Austausch, Spiel und Tanz zu haben ist unfassbar wertvoll, nach all den Jahren, in denen das Spiel auf den unterschiedlichsten Plätzen statt fand und immer neugierige Zuschauer anzog. Den Traum von Creacting India eigene Räume zu haben ist nun wahr geworden und die kahlen Betonräume in ein buntes Kulturzentrum mit Bühne, Beleuchtung und Alles was dazu gehört zu verwandeln; haben wir uns dieses Jahr zur Aufgabe gemacht und hoffen am Ende des Monats unsere erste Show im CreActing India cultural centre aufführen zu können

Wir alle sind mit Herzblut dabei und sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Ausbaus und vor allem auf die kommenden intensive Workshopreihe mit tollen motivierten Spielern.

 

Namaste aus Bodhgaya und bis bald!