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Jimdo

Everything is possible in India. Von Kathrin

In den letzten beiden Tagen ist schon wieder so viel passiert. Und das, obwohl ich doch eigentlich gar nicht so viel gemacht habe. Am sonntag fuhren wir nach Gaya, um uns die Tanzchoreografie von Abishek (er ist auch ein Dreamcatcher) anzusehen. Uns war bewusst, dass er an einer Schule arbeitet, an der ein eher wohlhabendes Klientel verkehrt, aber mit so einem Event hatten wir nicht gerechnet: Schon von weitem hörten wir Lautsprecherdurchsagen und traten in ein riesiges Zelt aus Stahlträgern und bunten Stoffen. Der sandige Untergrund war mit grünen Teppichen belegt, in der Mitte waren Stühle aufgereiht, die bestimmt Platz für sehr viele Zuschauer boten, an den Seiten waren Präsentationsstände aufgebaut, sodass dieser Ort eher einem Messe für Motorräder und Traktoren als einer Schulveranstaltung glich. Wir wurden sofort nach vorne geführt, die Schulleiterin begrüßte uns und wir bekamen Ehrenplätze direkt vor der riesigen Bühne und saßen somit noch vor den wichtigsten Gästen der Schule und der Schulleitung auf extra für uns hernageschafften Stühlen. Jeder einzelne von uns wurde nach seinem Namen gefragt und ehe wir begriffen was gerade passierte, wurden wir von der korpulenten Schulleitung nocheinmal von der Bühne aus begrüßt aund dazu aufgefordert unsererseits auf die Bühne zu treten und uns vorzustellen. Um nicht unhöflich zu erscheinen kamen wir dieser Bitte nach. Es war ein total komisches Gefühl, so als "Special Guests" behandelt zu werden, nur weil wir aus Europa sind. Da diese Schule aber sehr viel Wert auf ihr internationales Ansehen legt, waren wir wohl, ohne dies zu wollen und in diesem Moment zu begreifen, ein gutes Aushängeschild dafür. Ich fühlte mich nicht wohl in dieser lauten Welt voller Präsentation, Kommerz und Globalisierung. Nach einer kurzen Aufführung folgte eine Stundenlange (Lob-) Rede auf die Schule und deren internationale Stellung. Wir bekamen zwei Dolmetscherinnen zugewiesen, welche sich große Mühe gaben, diese Rede zu übersetzen. Die nächste Stunde (?) - gefühlt war es noch länger – möge man sich wie folgt vorstellen: viel zu laute Lautsprecher, ein Lehrer der Schule, welcher sich in Extase redet, laute Musik, ein (live-) Video auf der Bühnenrückwand, viel zu laute Lautsprecher, eine Dolmetscherin auf der einen Seite, welche die Rede ins Englische übersetzt und versucht, die Lautsprecher zu übertönen, während das andere Ohr die Gespräche und Übersetzungen auf der anderen Seite wahrnimmt. Währenddessen immer schön lächeln und nicken, damit die Dolmetscherin nicht auch noch Dinge erklären muss. Die Dolmetscherinnen gaben sich große Mühe und es war auch wirklich nett, dass wir somit der Rede ein bisschen folgen konnten, aber natürlich konnten wir in diesem ganzen Chaos natürlich längst nicht alles verstehen, was die Dolmetscherin versuchte uns zu sagen. Also immer schön lächeln und höflich bleiben. Habe ich schon erwähnt dass es sehr laut und die Rede sehr lang war? Aber wenigstens haben auch ein paar Inder hin und wieder auf ihre Uhr geschielt :D Alle waren sehr erleichtert, als schließlich die nächste Choreografie gezeigt wurde. Auch hier wieder, ganz indisch, wurden zwischendurch mehrere falsche Lieder abgespielt (natürlich sehr laut) bis schließlich das Passende gefunden wurde. Wir freuten uns, als endlich eine Choreografie von Abishek gezeigt wurde (er selbst spielte nicht mit). Anschließend verließen Wolfi, Laxmann, Julia und ich die Veranstaltung, um eine Toilette zu suchen und dieser Welt für einen Moment zu entfliehen. Zuerst wurden wir über eine dunkle Wiese, vorbei an trocknenden Kuhfladen, zu einer nicht funktionierenden mobilen Toilette geführt. Das wäre unvorstellbar in Deutschland – so eine riesige Schulveranstaltung, ohne nutzbare Toiletten. Also wurden wir die Straße weiter zu einem riesigen Einkaufscenter mit Kino usw. geführt. Wir mussten eine Sicherheitskontrolle passieren – kein Problem, nur Wolfi musste seinen Tabak abgeben :D Nun haben wir auch einmal eine reiche Seite Indiens gesehen. Ganz erschlagen von der Veranstaltung, dem Fußmarsch und sowieso noch nicht ganz fit, waren mir die ganzen Eindrücke ein bisschen zu viel und wir gingen, ich wankte, zu der Veranstaltung zurück. Laxmann hatte mir am selben Tag noch versprochen, mein Bodyguard in India zu sein, sodass mir nichts passieren könne. Dieses Versprechen löste er noch am selben Abend ein und achtete darauf, dass ich, erschlagen wie ich in diesem Moment war, von keiner Rikscha angefahren wurde und zog mich schnell zur Seite, wenn ich nicht schnell genug begriff, dass ein Motorbike in der Dunkelheit auf mich zukam. Alles in allem kam ich so am Abend wieder wohlbehalten Zuhause an. Am nächsten Morgen erwartete mich eine Überraschung. Die Obst- und Gemüseampel, welche ich aus drei Körben und stabiler Naturschnur gebastelt hatte, war nun aufgehangen worden und in Gebrauch! Zu dieser Gemüseampel gibt es auch noch eine kleine Geschichte zu erzählen: Wohl jedes Jahr werden (drei) Körbe übereinander zu einer Aufhängsystem verarbeitet, um unsere Lebensmittel vor diversen Tieren in Sicherheit zu bringen. Dieses Jahr durfte ich das basteln :) Als ich am Sonntag in den Endzügen war, kam der Besitzer des Sachi Homes zu uns und sah meine Arbeit. Er war begeistert davon und fragte mich direkt, ob ich auch für ihn zwei davon machen könne, welche er mir abkaufen würde. Außerdem würde er gerne lernen, wie ich das mache. Wenn er mir das Material bringt, würde ich das machen, antwortete ich. Daraufhin zog er ein paar Geldscheine hervor und wollte diese Wolfi geben, damit er die entsprechenden Körbe und die Naturschnur das nächste Mal mitbringe. Verrückt, wie sich manche Dinge entwickeln :D Ich hätte total Bock, diese Körbe zu machen und diese Technik auch weiterzugeben. Vielleicht ist sowas auch bei unserem geplanten Projekt möglich. Ob ich diese Gemüseampeln für Siddartha machen werde, wird sich zeigen :D Am Montag hingegen tauchten wir in eine völlig andere Welt ein, denn es stand ein Workshop an der AO Zora School an - das ist die Schule, an der das Indienprojket begann. Diese Schule liegt in einem kleinen Dorf. Die Häuser sind häufig aus Lehm gebaut - der Baustoff der Armen, da diese Häuser sehr viel Arbeit zur Instandhaltung fordern. überall laufen Ziegen, Zicklein, Hühner und Küher frei herum und es herrscht (für indische Verhältnisse) eine angenehme Ruhe. Auf der einen Seite gefallen mir diese natürlichen Dörfer sehr, doch auf der anderen Seite ist auch hier die große Armut zu spüren. Der Workshop fand auf der Dachterrasse statt und ich muss mich wohl immernoch an die große Hitze hier tagsüber gewöhnen. Daher war ich sehr froh mich dafür entschieden zu haben, bei diesem Workshop das Filmen zu übernehmen und nicht selber teilzunehmen. Doch auch dies machte mir großen Spaß. Auf der Dachterrasse waren nicht nur Teppiche ausgebreitet, auf welchen der Workshop stattfand, sondern drumherum saßen oder standen einige Zuschauer und weiße Kaninchen hüpften frei auf der Dachterasse herum. aber das erscheint hier alles ganz normal. Nach diesem Workshop, der spontan in zwei aufgeteilt und von zwei Dreamcatchern geleitet wurde, kam die bestellte Rickscha um uns abzuholen. Als wir unten mit dem Gepäck zusammen auf die anderen warteten, versammelte sich eine große Traube Dorfbewohner rund um uns, sie starrten uns an, waren sehr interressiert und kamen immer näher. Wir trafen sowohl auf sehr alte Menschen, welche um Essen bettelten, als auch auf kleine Kinder mit zerzausten Haaren und dreckiger Kleidung wie auch auf Jugendliche, welche in saubere t-shirts und Jeans gekleidet waren. Ich kann meine ganzen Eindrücke und Empfindungen gar nicht rehct in Worte fassen. Gestern noch haben wir einen Teil der upper-class kennen gelernt und heute sind wir der Armut hier wieder so nahe. Zudem hatte ich gestern und heute mit einem der Dreamcatcher viele Gespräche über Indien, die Armut und daraus entstehenden Probleme, sodass mich dieses Thema momentan sehr beschäftigt. Nach dem Workshop waren wir alle zusammen etwas Essen. Wir setzten uns einen Tisch draußen neben der Straße. Als die meisten mit dem Essen schon fertig waren rief Christian nur "rein, rein, rein, rein!". Ohne nachzufragen schnappten wir unsere Sachen und eilten ins innere.  Der Grund: ein Fahrzeug fuhr mit einer riesigen giftigen Wolke aus Insektenschutzmittel an uns vorbei. In Indien weiß man nie, was als nächstes kommt. Everything is possible in India.

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