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Jimdo

Über den Dächern Indiens von Kathrin

 

 

Es ist 23 Uhr abends, das turbulente Straßenleben Dehlis hat sich beruhigt. Nach einem kurzen aber intensiven Tag genieße ich nun die kühle Abendluft und blicke über die Dächer Dehlis. Es ist verhältnismäßig ruhig – das heißt es hupt zwischendurch mal ein paar Sekunden nicht und die Menschenmassen sind von den Straßen verschwunden. Ich habe es mir auf der obersten Dachterrasse unseres Hotels in einer Hängematte bequem gemacht, um euch von Indien zu berichten.

 

Zwischen Deutschland und Dehli gibt es einen Zeitunterschied von 4,5 Stunden und das haben wir noch nicht ganz überwunden – nachdem wir erst heute morgen um 3 oder 4 Uhr eingeschlafen sind,  quälten wir uns um 15.30 Uhr aus unseren Betten. Zum Glück ist für heute noch nichts geplant. Wir, das sind in diesem Fall Liz, Julia, Neha und ich, denn wir teilen uns ein Vierbettzimmer. Ganz nach indischer Art hat das mit der Zimmerreservierung nicht so ganz geklappt, aber wir sind froh darüber, denn so können wir uns alle besser kennenlernen. Als Julia aus dem Bad zurückkommt meint sie, dass kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und auch die Klospülung nicht mehr funktioniert. Abwarten, vielleicht funktioniert das ja bald wieder. Als sich einige Zeit später nichts daran änderte, fragen wir Nina, ob in ihrem Bad das Wasser noch funktioniert und bekommen ihren Schlüssel, da sie und Pauline zu einem nahegelegenen Park gehen wollen. Ich musste ganz dringend aufs Klo, wusste aber nicht genau welches Zimmer Nina und Pauline bewohnen. Halt irgendwo schräg gegenüber. Dann bin ich einfach mal los und dachte mir, da wo der Schlüssel passt, müsste das ja sein. Die erste Tür ging problemlos auf, komisch da drin ist nur ein Rucksack der schon gepackt ist, es kommt keine Wasser aus dem Wasserhahn und das da sieht nach Männersandalen aus. Das muss das falsche Zimmer sein! Aber der Schlüssel hat doch gepasst... Naja dann versuch ich es beim Zimmer nebenan auch noch. Auch hier passt Ninas Zimmerschlüssel und es sieht nach dem richtigen Zimmer aus. Das Wasser funktioniert auch. Haben alle Zimmertüren das gleiche Schloss? Ich teste den Schlüssel auch bei unserem Schloss und siehe da – er passt nicht. Das lässt hoffen 😃

 

Hier in Indien passiert so viel, es gibt so viel zu erleben und zu sehen, dass ich es gar nicht alles beschreiben kann. Die Straßen sind eng, voller Menschen, laut, bunt, geruchsvoll, vermüllt und staubig.

Wir haben bereits eine Horde Affen, dazwischen freilaufende Schweine, Kühe, Katzen, ganz viele Hunde und gestapelte, zerrupfte Hühner in viel zu kleinen Käfigen gesehen. Direkt neben den Hühnerkäfigen wird deren Fleisch verkauft. "Wie funktioniert das?" - "Siehst du da hinten die blutige Ecke?"

Auf den Märkten und in den Straßen gibt es überall etwas zu kaufen - schöne Tücher, Stoffe, Kleidungsstücke, Schmuck, Essen in allen Variationen und auf dem Gemüsemarkt bergeweise Gemüse, Gewürze, Hühnerfleisch, Obst und in anderen Straßen kann man Schneider und Schreiner bei ihrem Handwerk beobachten und überall sind Rikschas, Fahrradrikschas, Mopeds und auch Autos mit lautem Gehupe unterwegs. Achja, am besten geht man auf der linken Seite der Straße, denn es ist Linksverkehr und dann geht man mit dem Strom und die Gefahr ist geringer, mit irgendeinem Fahrzeug zusammenzustoßen.

 

Vor der Reise habe ich in einem Reiseführer „Kulturschock Indien“ über Indien eingelesen und sehr vieles begegnet mir hier eins zu eins so, wie es dort beschrieben war. Männer, die einen auf der Straße ansprechen „how are you, where you  from, where are you going“ um uns in ein Gespräch zu verwickeln und anschließend davon überzeugen zu wollen, mit ihrer Rikscha mitzufahren oder mit ihnen mitzukommen und etwas zu kaufen, der Sohn habe „Problems with his legs“. Frauen, die mit ihren Kindern auf dem Arm um Essen betteln und einen bitten, Milchpulver zu kaufen, welches sie laut Reiseführer wieder im nächsten Shop verkaufen werden. Kinder, die betteln, während die Mutter von weitem zusieht. Verkäufer, die versuchen, einen übers Ohr zu hauen und sich ins Fäustchen lachen, wenn sie es geschafft haben. Männer, die versuchen, einen wie zufällig zu berühren (das ist mir zum Glück nur gestern passiert und er hat sofort meinen Ellenbogen zu spüren bekommen). Achja, auf der Straße sieht man zu 80 % nur Männer. Es sind wenige Frauen unterwegs, aber man sieht einige ältere Frauen, welche es sich auf dem Balkon oder hinter Fenstern bequem machen, um das Treiben auf der Straße zu beobachten.

 

Das ist eine Seite Indiens, das was sich häufig auf den Straßen abspielt, aber in dieser kurzen Zeit, de wir nun hier sind, durfte ich auch andere Seiten kennen lernen:

 

Heute waren wir zum Frühstück (okay, okay, es war schon 17 Uhr^^) wieder in einem Roof-Top- Restaurant, welches wir gestern durch Nina kennen gelernt haben. Ein alternativer Platz, an welchem sich junge Erwachsene treffen, zusammensitzen, essen, rauchen und trinken. Wir waren froh, uns in Ruhe mit den Indern unterhalten zu können, ohne befürchten zu müssen, dass uns jemand etwas verkaufen will. Wir hatten Gespräche über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes), Religion, unser Indienprojekt, welches großen Anklang fand, Bismarck, Heidegger, Hitler und vieles andere. Das ist ein weiteres Phänomen in Indien – sobald Germany erwähnt wird, wird sofort Hitler und die Arische Rasse erwähnt. Jedoch nicht negativ gesehen, sondern als Bewunderung für „the strongest Country in Europe“. Das ist ein bisschen befremdlich, aber wenigstens werden wir nicht mit Nazis gleichgesetzt und zumindest der Inder, mit dem ich mich länger darüber unterhalte, sieht das Ganze differenziert und zeigt nicht nur die Bewunderung für diese Stärke, sondern sieht auch ganz klar auf der humanistischen Ebene das Verbrechen, welches in diesem Kontext begangen wurde. Es war toll, sich austauschen zu können und mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

 

Das Schönste bisher durfte ich jedoch gestern erleben: Wir gingen zu einem nahegelegenen Tempel, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen und den ganzen Eindrücken für einen Moment zu entfliehen. Die Treppen zum Tempel hoch ziert tatsächlich ein Treppenlift. Der Tempel ist innen mit Teppich ausgelegt und die Frauen sitzen links und die Männer rechts, mit Blick zu der Statue vorne in der Mitte. Ich setze mich dann auch links auf den Boden, um eine bisschen zur Ruhe zu kommen und zu meditieren. Irgendwann öffne ich die Augen und blicke direkt in zwei leuchtende große Augen schräg vor mir. Zwei kleine Mädchen haben sich links vor mich, auch im Schneidersitz, auf den Boden gesetzt und strahlen mich an. Ich lächle zurück und das Lächeln der Kinder wird noch breiter. Nach einer Weile schließe ich meine Augen wieder und die Kids stehen auf. Als ich meine Augen wieder öffne kommen sie zurück und setzen sich direkt neben mich, tuscheln miteinander wie sie sitzen müssen und lächeln mich wieder an. Das ist ein so unglaublich schönes und ehrliches Lächeln! Wir begrüßen uns kurz und verständigen uns ohne Worte. Dann muss ich weiter, die anderen Creactings warten schon auf mich. Die Mädchen folgen mir und laufen vor mir aus dem Tempel. Sie drehen sich noch einmal um, wir lächeln uns an, sie winken und dann sind sie verschwunden. Das war eine wunderschöne Begegnung und ganz erfüllt gehe ich weiter. Vermutlich waren das Straßenkinder, aber sie haben nicht gebettelt und wollten nichts von mir. Man begegnet vielen, die einen ansprechen und auch Kindern die betteln,  aber mit diesen Mädchen war es eine Begegnung. Wir haben uns einfach verstanden. Danke Indien.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sophie (Mittwoch, 22 Februar 2017 22:33)

    Wow, toll geschrieben! Man kann sich alles vorstellen. Ein toller interessanter erlebnisreicher erster Tag <3